Die Katze

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Verhalten der Katze zur Beute

Einige Vorbemerkungen zur Frage nach dem Normalverhalten (in der natürlichen Art der Katzen)
 
  • Welche verschiedenen Verhaltensweisen kommen vor (Verhaltensbreite)?
    Alles was in der Umwelt der Art genügend oft vorkommt um auf die Entwicklung der Angepasstheit und Anpassungsfähigkeit der Art Selektionsdruck auszuüben
     
  • Was kann mit (welchem Grad von ) Wahrscheinlichkeit erwartet werden?
    Die Kenntnis der statistischen häufigsten oder durchschnittlichen  Verhalten gibt eine „Norm“ für die Beurteilung des Verhaltens von Populationen.
    Statistische Normen jedoch gelten nur für Umstände unter denen ermittelt wurde (Verhaltenswahrscheinlichkeit)

Zu bedenken gilt es auch, dass jedes Lebewesen eine zweifache Entstehungsgeschichte hat:

  • Stammesgeschichtliche(Phylogenese) der Art
  • Entwicklungsgeschichte (Ontogenese) des betreffenden Individuums

Der Streit unter den Wissenschaftlern, was angeborenes und was erworbenes Verhalten ist, ist noch nicht beendet.

  • Angeboren = Umweltstabil
  • Erworben = Umweltlabil

Annäherung an die Beute
Die Katze beschleicht die Beute ähnlich wie der Fuchs (Seitz, 1950).

Sobald sie in einiger Entfernung ein Beutetier erblickt, läuft sie geduckt und sehr rasch darauf zu. Wenn sie auf 2-5 Meter herangekommen ist, hält sie an und geht in Lauerstellung. Der ganze Körper liegt flach am Boden, Vorderbeine stark angewinkelt, die Ellbogen ragen über die Schulterblätter hinaus.
Die Hinterbeine liegen ganz auf. Der Schwanz ist weit nach hinten gestreckt oder im Bogen an den Körper gelegt.  Die Schwanzspitze zuckt mehr oder weniger.

Der Kopf wird flach weit nach vorne gestreckt, Schnurrhaare gespreizt, die Ohren aufgestellt nach vorne gerichtet. So kann die Katze minutenlang verharren, wobei der Kopf jeder Bewegung genauestens folgt. Ist die Entfernung zur Beute noch zu gross oder grösser geworden, so folgt ein zweiter Schleichlauf oder ein sehr langsames und vorsichtiges Schleichen.
Nach erneuter Lauerstellung bereitet sich die Katze auf den Ansprung vor. Hinterbeine zurück schieben, Fersen vom Boden abheben, Hinterpfoten werden abwechselnd gehoben bis das ganze Hinterteil hin- und herpendelt (Vögel sind bis dahin längst entflogen).

Das Wackeln des Hinterteils sieht man jedoch meist nur bei spielerischen Jagden bei Jungkatzen als Übertreibung. Vor echter Beute wackeln erwachsene Katzen allenfalls andeutungsweise. Der Schwanz streckt sich nach hinten, seine Spitze zuckt heftiger.
Erst nach all diesen Vorbereitungen schnellt die Katze vor auf das Opfer; sie schiesst laufend oder in mehreren Sätzen flach über den Boden. Auch im letzen Sprung erreicht sie die Beute flach.

Ausnahme: Beutefang im hohen Gras

Der letzte Sprung auf die Beute wird so kurz bemessen, dass die Hinterfüsse auf dem Boden bleibend den Vorderkörper mit den auf die Beute schlagenden Tatzen stützen können. Sofort nach Erreichen der Beute stemmen sich die Hinterfüsse in den Boden und bremsen den Schwung. Sie geben der Katze so auch die nötige Standfestigkeit für den eventuell folgenden Kampf. Aber auch die Möglichkeit, sofort zurück zu weichen oder zu fliehen. Ausserdem kann die Katze so noch während des Ansprungs selbst die Richtung ändern.

Auch wenn die Katze ihre Beute von einem erhöhten Punkt (Baum Stein usw.) herab belauert, springt sie nicht direkt auf die Beute, deren weicher Körper, beweglich und unberechenbar, ein schlechter Landeplatz ist. Sie springt kurz vor der Beute auf den Boden und dann erst auf die Beute.
Probieren Sie es mal bei der eigenen Katze beim Spielen wenn sie oben sitzt. Auch beim Beutespiel junger Katzen kann man dies beobachten.

Weshalb sind Vögel „schlechte“ Beute?
Ein Vogel verharrt selten lange an einem Ort. Liegt die Katze auf der Lauer, was sie mit viel Geduld und Ausdauer tut, ist der Vogel meist längst wieder weiter. Katzen sind „eingerichtet“ auf den Fang von kleinen, Erdbauten bewohnenden Nagern. Diesen gegenüber ist es zweckmässig, so lange lauernd zu liegen bis sie sich weit genug von ihrem Eingang entfernt haben.