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Selbst wenn man die gleiche Sprache spricht - wie
schwierig ist es doch, das Verhalten unserer Mitmenschen und die
bestimmten Situationen vorausgehenden Umstände voll zu begreifen. Um
wieviel komplizierter muss es dann sein, andere Lebewesen zu verstehen.
Ohne sprachliche Verständigung, ohne die Möglichkeit, die Welt aus der
Katzenperspektive zu erleben ist die Gefahr gross, die kätzischen
Verhaltensweisen zu vermenschlichen und unser liebes Haustier wie einen
kleinen Menschen mit Schnurrbart und Krallen zu behandeln.
Doch - die Katze ist ein Lebewesen mit eigenen Antriebs-
und Ausdrucksformen und den darauf abgestimmten Sozialverhalten.
Körperhaltungen
Das Spektrum ist bei den Katzen sehr grosse. Sie bringen Rückschlüsse
auf die Befindlichkeit des Tieres. Je besser eine Katze an ihre Umgebung
angepasst ist, desto entspannter ist sie in ihren Verhaltensweisen.
Dadurch senkt sich auch die Aktionsbereitschaft.
Katzen haben die Eigenheit, beim liegen ihre Vorderpfoten unter die
Brust zu legen. Ein liegen mit ausgestreckter Pfote, wie es bei Hunden
vorkommt, ist seltener - es sei denn, die Katze hat es dem Hund
abgeschaut.
Wenig Aktionsbereitschaft zeigt eine Katze, die wie
oben beschrieben liegt oder eine die sitzt und den Schwanz um den Körper
gelegt hat. Diese Tiere fühlen sich sicher. Von einer schlafenden Katze
spricht man dann, wenn sie in Schlaf- oder Ruheposition die Augen
geschlossen hat.
Streckt Ihnen die Katze ihr Hinterteil mit erhobenem
Schwanz entgegen? Dann ist sie freundliche zu Ihnen und lädt sie ein,
sie zu beschnuppern! Natürlich werden Sie nicht Ihre Nase an den Hintern
des Tieres halten vollen, oder? Trotzdem können Sie Ihre Katze glücklich
machen und ihr zu verstehen geben, dass Sie sie verstanden haben. Blasen
Sie das Hinterteil des Tieres zart an.
Gegenseitiges Belecken kann man unter Katzen der
gleichen Gruppe öfters beobachten. Dies ist eine freundliche
Verhaltensweise.
Die Bewegungen
Was die Menschen an den Katzen sicher am meisten fasziniert ist ihre
körperliche Beweglichkeit. Sie springt fünf Mal so hoch wie wir selbst
gross sind, sie kann Stürze aus grossen Höhen überleben, in der Regel
ohne Schäden. Wenn sie springt oder stürzt, landet sie normalerweise auf
den Pfoten.
Katzen klettern senkrecht nach oben, schleichen
lautlos und zwängen sich durch kleinste Öffnungen. Nur eines werden Sie
nie erleben: dass sie über eine Hürde springt, wenn sie die
Aufsprungseite nicht sehen
kann. Denn sie schätzt ihr Ziel immer erst
genau ab bevor sie losschnellt. Sie taxiert beim Hochsprung die
Entfernung, errechnet den am meisten kraftsparenden Winkel, duckt sich
dann und drückt mit den Hinterpfoten ab.
Sprünge von oben nimmt die Katze so flach als möglich
um den Aufprall der Pfoten zu vermindern. Wenn sie die Möglichkeit hat,
verringert die Katze auch die Sprunghöhe, indem sie sich mit den
Vorderbeinen nach unten tastet.
Beim Klettern nach oben benutzen Katzen die voll ausgefahrenen Krallen
wie Steigeisen.
Wie jeder Jäger muss auch die Katze schnell,
wendig und leise sein. Das setzt einen entsprechenden Knochenbau voraus,
kräftige Muskeln, gelenkige Gliedmassen.
Schreiten
Hierbei erreicht die Katze ein Maximum an Energie. Ihre normale
Schrittfolge verläuft diagonal. Da der Schwerpunkt des Katzenkörpers
näher am Kopf als beim Schwanz liegt, haben die Vorderbeine stützende
Funtkion, während die Hinterbeine für den Schub zuständig sind.
Laufen
Katzen sind Spezialisten im Kurzstreckenlauf. Ihre Beine sind für kurze
Phasen mit hoher Geschwindigkeit entwickelt. Im Spurt werden die Beine
nicht nur gestreckt und dann aufgesetzt, sondern der Körper hebt sich
ab, streckt sich in der Luft vollständig aus und setzt in dieser Haltung
wieder auf den Boden auf. Dabei erlaubt das extrem bewegliche Rückgrat
der Katze eine Vorwärtsbewegung des Hinterkörpers, selbst wenn sich die
Vorderbeine noch auf dem Boden befinden. Statt die Geschwindigkeit durch
immer schnellere Bewegungen zu erhöhen beschleunigt die Katze ihren
La<uf indem sie ihren Rumpf vollständig ausstreckt und damit ihre
Sprünge verlängert.
Hauskatzen überwinden in einem einzigen Bewegungsablauf etwa das
dreifache ihrer Körperlänge.
Klettern
Durch den kräftigen Schub ihrer Rücken- und Hinterbeinmuskulatur kann
die Katze sehr gut klettern. Sie beginnt meist mit einem Sprung um
schnell an Höhe zu gewinnen. Dabei sucht sie mit den ausgestreckten
Krallen halt. Ist sie einmal oben hat sie allerdings oft
Schwierigkeiten, wieder herunter zu kommen. Für den Abstieg haben die
Katzenkrallen die falsche Form und mit den Muskeln der Hinterbeine
allein kann sie ihr Körpergewicht nicht halten. So kann es vorkommen,
dass Katzen hin und wieder von den Bäumen geholt werden müssen. Manchmal
tritt die Katze den Abstieg von selbst an, indem sie sich rückwärts
herunterlässt.
Springen
Wie beim Klettern liefern auch hier die Muskulatur der Hinterbeine und
des Rückens den nötigen Schub. Zuerst duckt sich die Katze mit dem
Becken fest auf den Boden, dabei werden Hüft-, Knie- und Fussgelenke
angezogen, sie liefern die Kraftübertragung in Längsrichtung des
Körpers. Werden die Muskeln gespannt, dehnen sich die Gelenke, wodurch
der Körper wie ein Geschoss vorschnellen kann.
Das Putzen
Wasser ist den meisten Katzen ein Greuel und ein Waschen wie wir es
kennen ist ihnen verhasst. Trotzdem gehört penible Sauberkeit zu den
Grundbedürfnissen der Katze. Nur schwer kranke Tiere und Katzenmütter
wenige Stunden nach der Geburt putzen sich nicht, weil sie körperlich
dazu nicht in der Lage sind.
Hauptinstrument für die Körperpflege ist die lange, muskulöse Zunge,
deren Mitte mit Hakenpapillaren besetzt ist. Ausser am Kopf und in der
Nackenpartie leckt die Katze sich damit über den ganzen Körper ab, immer
in Richtung Fellstrich.
Lose, abgestorbene Haare bleiben genauso an der Zunge hängen wie Staub
und Schmutz. Filzknoten und Eier von Ungeziefer beseitigt sie mit ihren
"Flohzähnchen".
Ganz hartnäckige Knoten im Fell werden mit der Hinterpfote bearbeitet,
genauso wie beim Kratzen.
Augen, Ohren, Nase, Stirn und Nacken putzt sich die Katze mit der vorher
angefeuchteten Pfote wenn sie alleine lebt. In Katzengruppen tun sie
dies auch schon mal gegenseitig. Sie waschen einander den Kopf.
Das Putzen befriedigt nicht nur das Reinlichkeitsbedürfnis der Katze, es
ist auch eine soziale Handlung. Es löst Spannungen und dient der
Beschwichtigung im Streit.
Als Übersprungshandlung wird ein plötzliches, hektisches Putzverhalten,
das verlegene Katzen überfällt, bezeichnet.
Nach ausgestandenem Schrecken oder überwundenen Ängsten putzen sich
Katzen ebenfalls. Putzen ist also auch ein Antistress-Mittel.
Durch das Putzen wird nicht nur die Durchblutung der Haut gefördert,
auch die Drüsen produzieren Fett und lassen so das Fell wasser- und
schmutzabweisend werden.
Das lebenswichtige Vitamin D, das bei Sonneneinstrahlung in den Haaren
produziert iwrd, kommt so beim Abschlucken in den Körper. Da
gleichzeitig auch abgestorbene Haare in den Magen wandern und sich dort
ballen, trachten gesunde Katzen danach, auch Gräser aufzunehmen damit
sie die Haarballen wieder auswürgen können sofern sie den Körper nicht
über den Darm verlassen.
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