Der Hund

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Die ersten Nächte im neuen Heim
Das Kommando "Hier"

Der 10 Wochen alte Welpe, der gerade vom Züchter übernommen wurde, darf in einer Boxe, gepolstert mit einer Decke, neben dem Bett schlafen. Hier gibt es auch das "Bettmümpfeli".

Darf er in seiner "Höhle" schlafen, fühlt er sich schnell wohl. Und wenn er in der Nacht aufwacht und nach seinem Rudel fiept reichen ein paar Worte unsererseits, und der Kleine schläft wieder ein.
Dadurch, dass er sich nicht verselbständigen kann bewegt er sich nicht unnötig und es entsteht kein Druck auf die Blase. Würde der Welpe frei in einem Bettchen zur Ruhe gebracht, würde er beim aufwachen auf Wanderschaft gehen und ziemlich rasch eine Pfütze setzen. Wir wissen ja, dass er immer nach dem Fressen, dem Spielen und dem Schlafen "mal muss". Selbstverständlich sind anfangs die Nächte kurz, denn sonst ist er gezwungen, seine Höhle zu befeuchten, was ihm sehr widerstreben würde, denn alles hat seine Grenzen.

Der Welpe darf mehrere Wochen neben dem Bett schlafen. Das Ergebnis davon ist:

  • Die Trennung von Geschwistern und Mutter wird gut überbrückt, der Welpe gewinnt rasch zutrauen, dass er nie wirklich alleine gelassen wird
  • Welpen sind nach rund 3 Monaten bereit, vor der Tür zu schlafen (wenn Sie das möchten)
  • Er lernt schnell Stubenreinheit und "geistert" nachts nicht in der Wohnung herum
  • Der Welpe kann zusammen mit seiner vertrauten Höhle für kurze Zeit allein gelassen werden

Ein Hund soll ja auf das Hörzeichen "Hier" herankommen und sich setzen. Wir müssen für den Hund so wichtig sein, dass er von allen interessanten Ablenkungen ablässt, um auf einen Ruf hin zu uns zu kommen.
Welpen sind noch froh, wenn sie uns in ihrer Nähe haben. Da ändert sich natürlich in dem Masse, in dem sie selbständiger werden. Bis dahin sollte der Hund an das Herankommen gewöhnt sein.

Übungsaufbau
Wir rufen den Namen des Hundes. Wenn er sich nach uns umdreht, geben wir ihm ds Sicht- und Hörzeichen "Hier" und gehen dabei ein, zwei Schritte zurück. Wir locken den Welpen mit dem Klang unserer Stimme und erregen seine Aufmerksamkeit mit unserer lebendigen Körpersprache und Gesichtsmimik. Voller erwartung wird der Welpe auf uns zugelaufen kommen.
Ist er bei uns angekommen, freuen wir uns riesig. Nachdem wir unsere Freude und Lob ausgedrückt haben, geben wir dem Hund das Kommando "Sitz". Natürlich auch in sehr motivierender Weise, loben den Welpen wieder herzlich für das ausgeführte Kommando. Dann entlassen wir den Welpen aus der Übung. Auch hierfür wird ein Kommando bestimmt. So lernt die Fellnase, dass nicht einfach davongelaufen werden kann wenns grad passt.

Erfolg und Misserfolg dieser Übung hängen ganz entscheidend davon ab, ob es mit gelingt, mich für meinen Welpen lebendig und spannend zu machen. Ein langweiliges Kommando "Hier" wird den Welpen nicht son seinen interessanten Unternehmungen abhalten. Ein ödes "Sitz" wird ihm die Sitzübung schnell verleiden.
Reagiert der Welpe nicht gleich, laufen wir ein kurzes Stück weg, was ihn motiviert, uns hinterherzulaufen. Nach wenigen Metern drehen wir uns um und locken ihn mit dem Kommando "Hier" zu uns.

Allmählich wird die überschwängliche Freude etwas reduziert und erst nach dem "Sitz" betont, das der Hund jetzt meistens von selbst ausführt. Wir freuen uns über den gelungenen Handlungsablauf.
Zum Schluss werden nicht mehr die einzelnen Kommandos, sondern nur noch der gesamte Handlungsablauf gelobt.

Mit täglichen Übungen unter zunhemender Ablenkung beginnt bereits der Welpe und Junghund bald gewohnheitsmässig auf das Kommando "Hier" zu uns zu laufen.

Menschen, denen es leicht fällt einen Welpen zu motivieren, können "Hier" und "Sitz" von Anfang an zu einer Übung verbinden und dann erst den Welpen überschwänglich loben. Bei den etwas langsameren Menschen würde es zu lange dauern, bis der Welpe seine Belohnung erhält. Vergessen Sie nie, dass der Hund generell, ob klein, gross, alt oder jung, eine Verknüpfung innert längstens 2 Sekunden macht. Wir sind also im Tempo, in der Reaktionszeit sehr gefordert. Mehr dazu wird an anderer Stelle erläutert.

Das Kommando "Hier" und seine Tücken - Wie vermeide ich, dass er kommen kann wenn er Lust dazu hat?
Wohlwollende Konsequenz ist die Grundlage für eine erfolgreiche Erziehung! Folglich bestehe ich freundlich, doch bestimmt darauf, dass er Welpe das Kommando "Hier" befolgt. Das heisst jedoch nicht, dass ich drei oder fünf Mal rufe, bis er endlich aufhört das zu tun, was er gerade tut (zum Beispiel herumschnüffeln) und zu mir kommt. Solch ein Verhalten wäre zwar in gewisser Weise konsequent, jedoch fatal für die Erziehung des Kleinen.

Denn der Welpe lernt jetzt, dass auf das Kommando "Hier" ein weiteres Kommando, und noch eines kommen wird und dann noch eines. Er lernt, dass es erst nach der fünften Wiederholung gilt. Wir werden unser ganzes Leben lang fünf Mal rufen müsse, was uns eher früher als später nervt. Das Angebot zum Hundeführer zu gehen, steht laufend in Konkurrenz zu der interessanten Sache, mit der sich der Welpe gerade beschäftigt.
Erst wenn die interessante Sache nicht mehr so interessant und wichtig ist, wird der Welpe auf das Kommando "Hier" reagieren und zu uns laufen, in der Erwartung, dass jetzt bei uns etwas interessantes passiert. Das Kommen auf das Kommando "Hier" wird auf diese Weise nie zur Gewohnheit für den Welpen.
Durch das ständige Wiederholen verliert das Wort "Hier" seinen Zauber und die Spannkraft schnell. Der Welpe wird stumpf gegen das Kommando.
Kommandos müssen immer sparsam gegben werden, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Bevor ich den Welpen rufe schaue ich, wie interessiert der Welpe gerade mit etwas anderem beschäftigt ist und entscheide dann, ob es überhaupt einen Sinn macht, ihn zu rufen. Denke ich, dass der Welpe (noch) zu abgelenkt ist um auf das Kommando "Hier" sofort zu reagieren, verzichte ich in dieser Situation und laufe zu ihm hin um ihn zu holen wenn ich möchte, dass er in meine Richtung läuft. Oder ich warte einen Moment bis ich sehe, dass sein Interesse abflaut und er nach etwas anderem "sucht".

Habe ich mich entschieden, den Welpen zu rufen, reagiert er jedoch dennoch nicht, breche ich spätestens nach dem zweiten Mal rufen mit dem Kommando ab, denn die unendliche Leier "Hier" "Hier" "Hier" ist wie bereits gesagt immer Gift für eine erfolgreiche Einübung eines Kommandos. Es gibt ein Klangbild da sich bei der Fellnase einprägt und das dann lebenslänglich durchgezogen werden muss.
Stattdessen hole ich den Kleinen ab und gebe ihm einfache Kommandos, die er beherrscht. So hole ich seine Bereitschaft zurück, auf meine Kommandos zu achten. In diese kurze Übung wird auch das Kommando "Hier" weingebaut in einer Situation, in der es dem Welpen leicht fällt zu kommen.

Inkonsequentes Rufen
Ich bin inkonsequent, wenn ich nach erfolglosem Rufen einfach die Übung abbreche und mich anschliessend auch nicht bemühe, den Hund mit einfachen Übungen zu beschäftigen und so wieder seine Aufmerksamkeit zu erlangen.

Läuft der Welpe auf das Kommando "Hier" ein paar Schritte auf mich zu und dreht dann ab weil ihm etwas "wichtiges" in die Nase gestochen ist: Es geht darum, sich für den Welpen so spannend und lebhaft zu machen, dass der Welpe es kaum erwarten kann, bei uns anzukommen!
Wichtig ist dabei auch eine hohe Stimmlage, eine lebendige und dennoch klare Körpersprache und Mimik, ein toles Lob fürs Kommen - das darf gerne ein kurzes gemeinsames Spiel sein.

Anderes Szenario: Der Welpe läuft auf das Kommando "Hier" auf mich zu und dreht dann wieder ab, obwohl ich mich ganz spannend gemacht habe: Überprüfen Sie Ihre Stimme (ev. zu laut) und die Körpersprache (zu hektisch). Weiter prüfen Sie ob sie laufend lobend auf den Welpen einreden, während er auf Sie zukommt. Der Welpe soll nicht dafür gelobt werden dasser ein paar Schritte in die richtige Richtung tut, sondern fürs Ankommen. Nur dann, wenn er gerade vom Weg abkommen will, hole ich mir sofort seine Aufmerksamkeit wieder indem ich beispielsweise ein paar Schritte zurücklaufe, dabei mit der Zunge schnalze oder den Fingern schnippe oder, oder, oder - Ihre Fantasie ist gefragt.

Bin ich zu langsam? Es dauert zu lagen, bis ich den Welpen lobe, es dauert zu lange, bis ich mich spannender mache wenn der Welpe nicht gleich reagiert. Es geht um entscheidende Sekungen! Ob es mir gelingt, den Welpen in der Aufmerksamkeit und Motivation zu halten oder nicht. Das heisst jeodch nicht, in Hektik zu verfallen. Dies würde die Konzentration des Welpen untergraben.
Es kann sinnvoll sein, einen Aussenstehenden beurteilen zu lassen, wie man selbst mit dem Welpen umgeht bezüglich Motivation, Spannung,...

Je häufiger ich draussen mit dem Welpen oder Junghund spiele, desto leichter wird es mir fallen, die Aufmerksamkeit des Welpen auch in anderen Situationen zu gewinnen. Und wenn ich dann noch ein Zauberer bin der immer mal wieder was spannendes, unerwartetes aus dem Nichts (Jacken- oder Hosentasche) zaubert, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen.

Die Übung machts - bei Hund und Halter