Der Hund

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Hund und Nähe

Die gefühlsbeladene Nähe beinhaltet so wichtige Signale, dass die meisten Hunde reagieren wenn sie sehen, dass zwei andere Hunde in angespannter Situation nahe beieinander stehen. Es scheint so, als würde der Dritte das Bedrohliche der Situation begreifen.

Ein Hund mit einem höheren Rang kann sich dann dazwischen drängen und dadurch verhindern, dass der Konflikt sich weiter entwickelt.

Dass der Abstand in herausfordernden Situationen grosse Bedeutung hat, ist eine Tatsache, über die wir Menschen nicht nachdenken, obwohl dies auch für uns gilt.

Beobachten Sie einmal zwei Menschen, die einander bedrohen. Ist der eine Selbstsicher, geht er immer näher auf den anderen zu. Wir haben einen gewissen „Höflichkeitsabstand“ von etwa 60 cm, den wir immer einhalten wenn uns andere Personen begegnen. Dieser Abstand zeigt an, dass wir nicht beabsichtigen, die andere Person zu belästigen.

Erfordert eine bestimmte Situation, beispielsweise Körperpflege beim Jungen eine verminderte Distanz so sieht man bei Hunden die zurück gelegten Ohren und die hochgehaltene Schnauze. Der Schwanz wird tief und locker getragen. Die Kenntnis der gefühlsbeladenen Nähe ist sehr wichtig, um einen Teil sonst unverständlicher Reaktionen zu erklären und dadurch zu lernen, uns in acht zu nehmen.

Die Umarmung
Menschen, speziell Kleinkinder drücken ihre Liebe dadurch aus, dass sie das Objekt ihrer Zuwendung umarmen. Viele Hunde gewöhnen sich daran, die Umarmung zu akzeptieren. Aber einige wehren sich auch dagegen. In der Hundesprache bedeutet dies nämlich eine Bedrohung. Der Hund entdeckt bei dem kleinen Kind, das auf ihn zustürmt, keine Unterwerfungssignale, und die plötzliche Umarmung kann daher als Aufforderung zum Kampf aufgefasst werden: Achtung! Nähe! Körperkontakt! – Der Hund knurrt und schnappt zu. Der Hundebesitzer ist verzweifelt. Die Eltern des Kindes empört und verlangen vielleicht, dass der Hund getötet wird. Doch der Hund ist nicht schuld. Auch nicht das Kind. Es ist unsere eigene Schuld. Es gibt eben Unterschiede in der Art und Weise, wie Menschen und Hunde miteinander umgehen. Es ist die Aufgabe von Erwachsenen und Eltern, den Kindern beizubringen, wie man sich einem fremden Hund nähert und wie man sich ihm gegenüber benimmt. Ohne dem Kind dabei eine unbegründete Angst vor Hunden im allgemeinen zu vermitteln. Und es ist Aufgabe des Hundebesitzers, dem Hund beizubringen,m dass dieser sich nicht veranlasst sieht zu beissen, nur weil ein fremdes Wesen den „höflichkeitsabstand“ unterschritten hat.

Wenn andere sich umarmen
Herr Chen und Frau Chen stehen in der Diele und Umarmen sich. Der Haushund entdeckt die Spannung innert weniger Sekunden und beeilt sich, herbei zu kommen. Er fiept unruhig, läuft nervös um sie herum, kratzt an den Beinen. Herr Chen schaut auf den Hund und sagt mit einer Mischung aus Staunen und Ironie: „Er ist ja richtig eifersüchtig!“ Doch das ist nicht der Fall. Die Situation sieht in den Augen des Hundes nämlich ganz anders aus: Er beobachtete mit zunehmender Nervosität sie Herr Chen und Frau Chen langsam aufeinander zugingen, bis sie ganz nahe beieinander standen. Und nun stehen sie da in einer „drohenden Umarmung“, als würde gleich der Kampf beginnen. Und was macht in dieser Situation der zuverlässige Hund? Eben, er versucht die „Kontrahenten“ zu trennen.

Die Liebkosung
Viele Hunde reagieren etwas eigenartig, wenn man sie liebkosen möchte. Wenn man in nahen Kontakt zu ihnen kommt, seine Wange an die des Hundes legen möchte oder ihn innig „herzen“ will, dann dreht er einem seine Hinterpartie zu und lässt sich das Hinterteil streicheln. Er fühlt sich wahrscheinlich durch den nahen Kontakt ein bisschen bedrückt und zeigt seine „freidliche Seite“. Das heisst, dass er deutlich demonstrieren möchte, dass er die Situation nicht zur Aggression ausnützen will. Wir können die gefühlbeladene Nähe nutzen, wenn wir mit unserem Hund die Führerschaft trainieren. Dadurch können wir ein freundliches und vertrautes Führerschaftsverhältnis aufbauen, ohne eine gewaltige und harte Stimme zu verwenden. Einige ruhige, bestimmte und herzliche Führerschaft – genau wie bei wilden Hunden.