Rangordnungsphase
Bereits die Welpen bauen unter sich eine solide Rangordnung auf. Jetzt
muss der Mensch unbedingt seine Vormachtstellung betonen, will er sie
nicht verlieren.
Konsequentes üben
Bewegungsspiele dienen dem Einüben von bestimmten Abläufen. Muskeln,
Geschicklichkeit und Schnelligkeit werden trainiert. Dabei kann man oft
erkennen, dass der Welpe manche Bewegungen so lange wiederholt, bis sie
zu seiner Zufriedenheit ausfallen. Erst dann macht er etwas anderes.
Hier ist also konsequentes Üben zu beobachten.
In
der Rangordnungsphase sind die Welpen von Natur aus bereit taktisch mit
Artgenossen zusammen zu arbeiten. Dies ist auch die Zeit, in der wir mit
gezieltem Gehorsam beginnen sollten.
Der
Vaterrüde spielt nicht nur mit den Welpen, sondern er schult auch ihren
Gehorsam. Streng – aber gerecht. In der Sozialisierungsphase fängt er
damit an, seine Welpen 1-3x täglich kräftig zu schütteln (nicht aus dem
Nichts heraus, sondern in einem Kontext). Dabei entwickelt sich eine
Unterordnung, die nichts mit Angst oder besonderer Unterwürfigkeit zu
tun hat. Der Welpe lernt, die Grösse und Stärke des Überlegenen zu
respektieren. Die Unterordnung wird in der Sozialisierungsphase
entwickelt. Geschieht dies nicht, können wir kaum mehr als eine
erzwungene Unterwürfigkeit erreichen.
Alles, was wir von unserem Hund wollen, was er lernen soll, erreichen
wir dann in einer harmonischen Weise, wenn wir uns über die Ausführungen
sichtbar freuen und den Hund durch freundliche Weise belohnen. Der Hund
lernt unseren Ausdruck schnell.
Der
natürliche Reifungsprozess ist für eine lange Ausbildungszeit
zugeschnitten und der Hund ist überfordert, wenn wir meinen, er müsse
alles so schnell wie möglich lernen.
Disziplinierung soll im Sozialisierungsalter dazu führen, den Hund zu
festigen und Vertrauen aufzubauen. Für den Wolfswelpen beginnt ab der
12. Woche die Ausbildung zum vollständigen Rudelgehilfen. In erster
Linie erzieht der Vater.
Während der letzen Hälfte der Tragzeit der Hündin zunehmend die Dominanz
des Rüden derjenigen der Hündin zunehmend weicht, wird er jetzt wieder
zum Alpha, zum Ranghöchsten. Auch die Hündin beginnt sich wieder
unterzuordnen.
Die Führerschaft
Die wichtigste Rolle in einem Rudel haben die Leittiere. Das Überleben
sämtlicher Tiere ist von ihnen abhängig. Zeigt sich der Führer schwach
wird er sofort abgesetzt.
Durch ihre natürliche Autorität können die Rudelführer freundliche und
tolerant sein. Wird der Fühter jedoch herausgefordert wird er sich in
eine rasende Furie verwandeln.
Das
Leittier hat durch handfeste, aber freundliche Spiele den Jungtieren
Respekt eingeflösst, ein Respekt der meist das ganze Leben anhält. Das
ist wichtiger als ständig zu kämpfen. Führerschaft hat nichts mit
gewaltsamer Macht zu tun. Ein guter Führer ist freundlich, mild und
klug. Diejenigen, die rufen, schreien und ihre Hunde schlagen sind
schlechte Führer.
Die Familie ist das Rudel des Haushundes
Die moderne Welt ist dem Hund fremd. Er lebt wie zu Urzeiten und wird
dies immer tun. Der Hund gliedert den Menschen in seine Welt ein.
Familienmitglieder werden wie andere Hunde betrachtet und der Hund
spricht in seiner Sprache zu ihnen. Er zweifelt nicht daran, dass wir
ihn verstehen. Der Hund sieht vor allem was wir sagen.
Von
Natur aus ist der Hund fähig, sich in eine Gemeinschaft einzufügen. Er
will ein nützliches Mitglied des Rudels sein. Kann er seine
Menschenfamilie als Rudel erleben (bereits ein Welpe erwartet das von
uns), Richtlinien und Grenzen erfahren, dann weiss er, woran er ist.
Seine Existenz ist Meuteabhängig was wiederum die gute Lernfähigkeit
bedingt. Diese können und sollen wir nutzen. Tun wir dies nicht, geht
der Hund seiner Neigung, in der Hierarchie den Versuch einer Steigerung
zu unternehmen, nach. Das kann enorme Probleme verursachen. Doch in den
Augen des Hundes muss immer einer an der Spitze stehen!
Ein
Hund ist nicht in der Lage eine Familie mit Menschen zu führen. Ein
Hund, der dies versucht, der dazu aufgefordert wird (meist unbewusst),
wird mit der Zeit nervös, misstrauisch und unberechenbar!!
Rudelaufbau –
Destabilisierende Faktoren
Wenn ein Betarüde
die Alphaposition übernehmen will, bringt das viel Unruhe ins Rudel. Im
Durchschnitt sind Rüden 3 Jahre, Hündinnen 5 Jahre lang an der Macht,
bevor sie abgedrängt werden. Wenn kein Strass eintritt in Folge von
knappem Nahrungsangebot kann ein Alphatier seine Position auch länger
behalten.
Der Nachwuchs
beginnt etwa im Alter von 2 Jahren in den Rang eines Betatieres zu
kommen. Je nach Geschehen und Vorkommnissen im Rudel kann es auch sein
dass sie versuchen, direkt Alphatier zu werden. Richtig hemmungslose
Rangkämpfe gibt es öfters bei Weibchen als bei Männchen.
Eine Paarbindung wird vor allem durch die Kopulation starkt.
Ausgestossen
Wenn eine Wölfin an den Rand des Rudels gedrängt wird kann sie nicht
mehr zurück. In Gefangenschaft würde sie vom Rudel zerfetzt wenn man sie
nicht zum Gehege hinaus nehmen würde. Das Tier muss dann umgesetzt in
ein anderes Rudel oder eingeschläfert werden.
Rangniedrige Rüden
können nach der Verdrängung oft wieder ins Rudel einziehen, müssen sich
in der Hierarchie jedoch ganz hinten anschliessen.
Gruppenangriffe
Bei Gruppenangriffen sind die Männchen und Weibchen beteiligt.
Halbstarke halten immer zusammen und sind bei Streitereien immer gerne
dabei – sie sind richtige Biester. Die Halbstarken bringen Tiere, die am
kippen sind unter Umständen noch ganz zu Fall. Das heisst, wenn der
Leitwolf schon älter ist und an Fitness verliert können die
Interventionen der Halbstarken zu einer Ablösung an der Spitze führen.
Sie sind immer dabei um Subdominante aus dem Weg zu räumen. In der Regel
sind sie von der Anzahl her gut vertreten und verstehen es, Öl ins Feuer
zu giessen. Dies vergrössert wiederum ihre eigenen Aufstiegchancen. Die
Halbstarken bilden ein Rudel innerhalb des Rudels.
Bei erwachsenen
Tieren ist das Spiel viel aggressionsfreier als bei Halbstarken. Je
etablierter die kleinen Alphas sind, je weniger Aggressionen sind im
Spiel. Aggressionsfreiheit bei den Erwachsenen herrscht immer dann, wenn
Welpen da sind.
Ein älter werdender
Alpha verliert an Spannkraft und die Bereitschaft zu imponieren nimmt
ab. Eine Ablösung kommt nur alle paar Jahre vor, bringt jedoch grosse
Unruhe ins Rudel. In der Regel wird nur ein Alphatier, entweder die
Hündin oder der Rüde, abgelöst.
Paarungszeit
Hormonelle Veränderungen vor der Ranz sind destabilisierend. Es herrscht
mehr aggressives Verhalten, vor allem auch von Seiten der Wölfinnen. In
der Hochranz ist dann alles geklärt und es gibt nur noch kleine
Techtelmechtel. Während etwa 10 Tagen bewacht der Alphawolf seine
Wölfin. Die Wölfin zeigt durch Spritzen an, dass sie in der Hochranz
ist. Sobald dies geschieht wird sie bewacht. Zuerst animiert die Hündin
den Alpha und auch andere Rüden. Aber nur in der Vor- und Nachranz
können auch andere Rüden die Hündin decken. Das kommt zwar nicht häufig
vor, geschieht aber doch dann und wann. Manchmal sondert sich das
Alphapaar auch vom Rudel ab, ansonsten können die anderen
Rudelmitglieder bis auf rund 2 Meter an die Leittiere heran.
Die Rüden
beteiligen sich an der Welpenaufzucht, vor allem diejenigen, die
Vorgedeckt hatten. Nicht deckende Rüden beteiligen sich nur am Rande an
der Aufzucht. Die emotionale Bindung der Welpen an ihre „Kindermädchen“
bleibt lange erhalten.
Die Wölfe haben
vielfältige Rituale um zu kommunizieren und Rangordnungen zu klären.
Verletzungen werden vermieden. Rituale sind auch energiesparend. Darauf
wird immer geachtet. Rituale tragen viel zur Stabilität im Rudel bei.
Aufbau des Rudels ohne menschlichen Jagddruck
Ein
Rudel ist immer nach dem Familienprinzip aufgebaut:
-
Alphatiere
-
Betatier (in der Regel ein Rüde)
-
Subdominante Erwachsene (ab 3 Jahren)
-
Halbstarke bis etwa 3 Jahre
-
Welpen
Die
Rangordnung ist weitgehend nach dem Alter strukturiert. Der Status
zwischen dem Alpha und dem Beta ist weit auseinander, grösser als
zwischen dem Betatier und der Junghorde. Je weiter es in der Hierarchie
nach unten geht, um so instabiler ist die Rangordnung. Die Welpen stehen
ausserhalb der Rangordnung.
Die
jungen Wölfe haben untereinander eine Rangordnung. Es beginnen die
sozialen Expansionstendenzen. Die Beisshemmung ist vorhanden, die Tiere
verletzen sich nicht ernsthaft. Die Wölfe können das Geschlecht
geruchlich bis zu einem gewissen Grad erfassen.
Das
Betatier ist meist ein Rüde. Wenn die Jungwölfe im Herbst ½-jährig sind,
fangen die Weibchen an, die Jungtiere zu unterdrücken. Wölfinnen und
Hündinnen sind in diesem Verhalten gegenüber den Jungtieren aggressiver
als Rüden.
Die Stabilität des Rudels
Innerhalb des Rudels sind die Verhältnisse ziemlich stabil. Am
deutlichsten kann man immer das Leittier und den Rangletzten erkennen.
Stabilisierende Faktoren sind gutes und regelmässiges Futterangebot.
Auch das Spielverhalten trägt zur Stabilisierung bei. Die Rangordnung
wird durch Spiel in Frage gestellt und demonstriert. Vor allem der
Betarüde zeigt das dabei übliche anrempeln. Durch das Spiel können auch
allfällige Aggressionen umgeleitet werden. Die gegenseitige
Körperpflege, vor allem zwischen den Alphatieren sowie der Mutter und
ihren Welpen, tragen ebenfalls zum Zusammenhalt des Rudels bei.
Überhaupt sind Welpen ein wichtiger stabilisierender Faktor für ein
Rudel. Denn die Welpen wachsen in das Rudel hinein, integrieren sich und
stellen viele Jahre lang ihre Position nicht in Frage.
Bis
zu einem Alter von 3 Monaten betteln die Welpen rundherum unterwürfig
nach Futter. Rangordnungsgeschichten gibt es keine, so lange Welpen da
sind. Erst wenn diese älter werden, so gegen den Herbst, fängt dies
wieder an.
Die
Aufgaben des Rudelführers: (der Haushund erwartet dies von seinem
Menschen – andernfalls ergreift er selbst das Ruder)
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Führung des Rudels ist die 1. Aufgabe
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Er geht vor dem Rudel und weist den Weg
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Er wählt das Beutetier aus
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Der Leitwolf geht dem Fremden entgegen. Die
anderen bleiben derweil stehen
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