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Rudelaufbau | |
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Eine Ursache für unerwünschte Verhalten bzw. für die Unwirksamkeit an sich richtiger Erziehungsmethoden Viele, besonders aber die unerwünschten, reflexbezogenen Reaktionen eines Hundes erfolgen im Bruchteil einer Sekunde. Im wahrsten Sinne des Wortes blitzschnell hat der Hund sich davon gemacht als Sie ihn gerade anleinen wollten, blitzschnell etwas geklaut, blitzschnell zugebissen. Hier stossen nun zwei Reaktionen aufeinander, die nicht kompatibel sind. Der Hund reagiert automatisch im Bruchteil einer Sekunde, während die Reaktion von Frau Chen über den Verstand, also im Verlauf mehrerer Sekunden erfolgt.
Bei vielen befehlsmässigen Reaktionen eines Hundes ist aber
ebenfalls letztlich erwünscht, dass sie sofort, Nehmen wir das Beispiel des einfachen Befehles „Sitz“. Folgt der Hund nicht sofort, ziehen Sie ihn am Halsband hoch und drücken sein Hinterteil kräftig hinunter. Womöglich wiederholen Sie nun das „Sitz“ sicherheitshalber nochmals, natürlich mit leicht verärgerter Stimme. Sie meinen, Sie hätten ihm nun gezeigt, dies sei das Befolgen des Befehles „Sitz“? Weit gefehlt. Ihr Hund denkt etwas ganz anderes dabei. Entweder erwartet er nun jedes Mal, wenn er sich setzen soll, auf den Druck auf dem Hinterteil. Oder aber das „Sitz“ ist ihm unangenehm geworden, weil es für ihn bedeutet, an seinem Hals wird gezogen und sein Hinterteil hinuntergedrückt. Folglich wird er beim nächsten „Sitz“ sich darum bemühen, möglichst aus Ihrer unmittelbaren Reichweite zu kommen. Daher haben nun diejenigen Recht, die den Befehl „Sitz“ mit dem Augenblick verknüpfen, in dem der Hund sich tatsächlich setzt. Natürlich ist das zunächst – aber nur scheinbar – langwieriger als die Einwirkung mit Gewalt, die noch dazu ganz einfach zu spät kommt, also zu einer falschen Assoziation führt. Oft ist der Mensch zu langsam Wir kommen also wieder einmal zur Erkenntnis, dass es nicht der Hund ist, dessen Gehorsamkeitstempo wir steigern müssen, sondern dass wieder einmal zuerst wir es sind, die insgesamt unsere Reaktionsfähigkeit steigern müssen. Aber es bedeutet nicht nur, dass wir lernen müssen, blitzschnell zu reagieren, sondern auch, dass wir eine Übung oder Handlung rechtzeitig planen müssen, um dann rechtzeitig zur Stelle zu sein. Machen Sie einmal selber den Versuch: Sie wollen Ihren Hund absitzen lassen und sagen „Sitz“, tut er das nicht sofort, ziehen oder drücken Sie an ihm herum wie oben beschreiben. Wenn jemand mitzählt, sobald Sie Ihren Befehl „Sitz“ ausgesprochen haben (21,22,23), was die Dauer von Sekunen hat, werden Sie sehen, wie viel Zeit zwischen Ihrem Befehl „Sitz“ und dem Niederdrücken des Hundes vergangen ist. Zwei Sekunden? Drei Sekunden?
Eine ähnliche Situation tritt ein, wenn Sie mit „Nein“ Ihren Hund von
einer unerwünschten Handlung abhalten wollen. Wie oft hat Ihr Hund schon
längst alles erledigt, bis Sie bloss mit Ihrem Verbot zur Stelle Leider sind schnell und rechtzeitig gerade so vieldeutige Begriffe wie das berühmte „Syndrom“ bei allerlei Krankheiten. Um zu begreifen, was damit gemeint ist, also der Hund dann auch wunschgemäss reagiert, müssen wir wieder einmal üben. Und natürlich üben Sie. Versuchen Sie einmal, während Sie in ein Gespräch vertieft sind, jemanden zu veranlassen, unvermittelt aus etwa der Augenhöhe einen Gegenstand herabfallen zu lassen und Sie müssen, ganz gleich, was Sie jetzt gerade geredet haben, jedes Mal dann „Nein“ rufen, bevor der Gegenstand Ihres Helfers den Boden erreicht hat. Genau so schnell und unvermittelt müssen Sie nämlich auch reagieren können, wenn Sie eine bevorstehende Aktion Ihres Hundes rechtzeitig abblocken wollen. Beobachten Sie das Wort bevorstehend, denn wenn Ihr Hund erstmal weggerannt ist oder zugebissen hat, ist es bereits zu spät. Oder anders gesagt: Der Zeitraum zwischen Befehl und Handlung ist zu gross, dauert Sekunden statt Bruchteile einer Sekunde.
Können Sie nun das „Nein“ schon ganz gut, wenn der Gegenstand aus
Armhöhe herabfällt, dann verringern Sie den Abstand zum Boden etwas,
z.B. Hüfthöhe und üben das „Nein“ auch in dieser Zeitspanne. Die Langsamkeit
Verwechselns Ei aber bitte nach dem eben gesagten nicht Schnelligkeit
mit Hektik oder gar Hast. Hektik und Hast sind kontratproduktiv, wir
erreichen damit beim Hund lediglich Widerstand. Leider wird in den
Erziehungsanleitungen wenig bis gar nichts zur ebenfalls notwendigen
Langsamkeit erwähnt. Ohne die Langsamkeit wird die Hundeausbildung
nie gelingen. Zwar wird Ihnen mitgeteilt, dass Sie Geduld haben
sollen, keines Falls ungedulgig sein sollen, jedoch keiner erklärt Ihnen
genau, was damit gemeint ist. Langsamkeit meint, dass Sie sich erst einmal darüber im Klaren sein müssen, in welchen Schritten Sie Ihrem Hund eigentlich was beibringen wollen. Tatsächlich sind es nur sieben magische Worte oder Begriffe, die Ihr Hund wirklich können muss. Selbstverständlich, darin gebe ich Ihnen recht, versteht ein voll ausgebildeter Hund erheblich mehr. Doch wenn ich die lange Reihe von Hundehaltern und ihren Hunden vor meinem inneren Auge vorüberziehen lasse, bei wie vielen hapert es bereits schon daran, dass nur diese wenigen Begriffe für die Hunde keine „magische“ Bedeutung haben. Und wie ist es da um Ihren Hund bestellt? Hand aufs Herz, sind für ihn unter aber auch allen Umständen „Sitz“, „Platz“, „Komm“, „Nein“, „Aus“ Zauberworte? In den Berichten von Hundefreunden wird das dann so umschrieben: Dass der Hund im grossen und ganzen schon recht gut folgt aber… Und dann folgt alles das, was sie möchten dass ihr Hund es tut oder nicht tun soll und trotzdem immer wieder tut. Viele sind enttäuscht, wird ihnen dann mitgeteilt, dass hier Langsamkeit das Stichwort ist. Denn bevor der Hund diese wirklich nur sieben Begriffe nicht sicher versteht und befolgt, ist an eine weitergehende Ausbildung oder an eine Fehlerbeseitugung nicht zu denken. Nun, vielleicht sagen Sie jetzt, es sei bewiesen, dass Ihr Hund das Wort „Komm“ wirklich begriffen hat, da er meistens kommt wenn Sie ihn rufen, vor allem dann, wenn er auch mag. Also, er kommt, wenn Sie sich fertig machen zum Ausgehen und ihn rufen, er kommt wenn Sie das Futter zubereiten, aber er kommt ansonsten eben nur dann, wenn er wirklich nichts besseres im Sinn hat. Rennt er hinter einer Katze, einem Fahrrad oder Jogger her oder tollt er mit anderen Hunden – auch wenn Sie „verstehen“ können, dass er aus wichtigem Grund nicht kommt, so sei es hier gesagt: Ihr Hund kommt eben nicht wenn Sie ihn rufen. Noch schlechter ist es erfahrungsgemäss bestellt mit den anderen Befehlen. Kurz, bei Licht besehen, Hunde, von denen die Besitzer annehmen, sie hätten bereits eine Art Grunderziehung in sich aufgenommen, sind tatsächlich alles andere als erzogen. |
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